Donnerstag, 13. Oktober 2011

Die Top 3 der unheimlichsten Unterkünfte

Auf unserer Tour haben wir schon in so manchen Unterkünften übernachtet, die nicht ganz geheuer waren und gut und gerne als Gruselhäuser durchgehen. Hier sind die drei unheimlichsten Schlafgelegenheiten, in denen wir bisweilen unterkommen durften.

Platz 3: Die Romantik alt eingesessener Steinklötze Eines Tages buchten wir ein Bed and Breakfast-Zimmer in Toronto, beschrieben als das "Romantic Mansion" Torontos. Günstig war es auch. Also: buchen. Von außen unscheinbar wurden wir innen mit düsterem Licht beim Eingang und klassischer Musik aus dem Hintergrund begrüßt - die Schlüssel mussten wir uns zwei Häuser weiter von der Tante des Besitzers abholen. Wir schleppten unsere Sachen in den dritten Stock über knatschende Treppenstufen. Auf jeder Etage schauten uns düstere Steinstatuen an. Oben angekommen starrte uns ein Gesicht mit aufgerissenem Mund an - wieder eine Statue, die an der Wand angebracht ist. Wie romantisch. Das Zimmer entpuppte sich als Reinfall: Ein riesieges Bett. Punkt. Aufgrund der Größe auf einer Seite des Bettes war ein Meter Platz bis zur Wand, was es uns erlaubte, die Tür auch zu öffnen, doch das war es dann auch schon mit Bewegungsfreiheit. Auch der Rest des Hauses glich eher einem schlechten Film über längstvergessene Epochen. Düstere Gestalten, die von riesigen Gemälden auf einen hinab blickten, in Dunkelheit versunken, was den dunkelrote Tapeten, den vergilbten Gardinen und der schwachen Beleuchtung zu Schulde kam, dazu die immerwährende klassische Musik aus einem Zimmer, in dem ein einsamer PC allein für diesen Zweck aufgebaut wurde - benutzen durften wir ihn nämlich nicht. Unterstrichen wurde dieses Ambiente durch Überwachungskameras in jedem öffentlichen Zimmer, die auch bloß darauf aufpassen, dass man sich nicht an dem Teekocher vergeht. Den durften wir nämlich auch nicht benutzen. Und wenn doch, dann hätte wahrscheinlich die Tante zwei Häuser weiter die Lichter nur noch dunkler eingestellt, damit wir den Teekocher einfach nicht mehr wiederfinden. Und ein paar weitere unsympathische Statuen aufgestellt, die uns gänzlich verjagt hätten. Auf jeden Fall unser Platz 3.

Platz 2: "Hier ist der Schlüssel für die Zelle 9 im vierten Stock! Angenehmen Aufenthalt!" Wer kann schon sagen, eine Nacht in einem hunderte von Jahren alten Gefängnis verbracht zu haben? Wir! Wir! Wir! Das Jail-Hostel in Ottawa nämlich war ein reales Gefängnis aus dem frühen 19. Jahrhundert und wurde nun zum Hostel umgebaut. Wir dachten uns, ok, es wurde umgebaut, dann wird's wohl auch schon behaglich werden, kann ja nicht so schlimm sein! Falsch gedacht! Um zu unserem Zimmer zu kommen, mussten wir zunächst eine 15 Zentimeter dicke Tür öffnen, einen mit schwarzen Backsteinen ausgebautes Treppenhaus betreten, wo Gitter zwischen den Treppen verhindern sollten, dass die Insassen sich selbst umbringen, dann einen langen, düsteren Gang passieren, der von engen kleinen Zellen umzäunt ist, bis wir schließlich unsere Nummer 9 fanden: Ein Doppelbett aus Eisengerüst, das quietscht, wenn man auch den Hauch einer Bewegung darin macht. Also stramm liegen, nicht atmen, dann ists ruhig. Wenn man von den Durchzuggeräuschen absieht, die durch die Gittertüren pfeifen. Und dem Schnarchen der Nachbarinsassen natürlich, denn dessen Türen sind natürlich wie auch unsere nicht-schalldichte Gitterstäbentüren. Ach ja, zum Thema Behaglichkeit: Ist nicht. Die Hostelbetreiber legten bei ihrem Umbau Wert auf Authentizität. Das hat uns das Feeling dafür erlaubt, wie es so war, damals, vor 150 Jahren, als Strafgefangener auf seine Hinrichtung zu warten. Im quietschenden Bett. Mit Backsteinwänden, Durchzug, Gitterstäbentüren und allem, was da so zugehört. Allein auf's Klo gehen wollt ich nachts jedenfalls nicht. Kamill musste mitkommen zum Händchenhalten. Was nicht schlimm war, da er ebenfalls kein Auge zubekommen hat. Unser Platz 2.  

Platz 1: Katzenjammer in Brooklyn Hier kommt unser Platz 1 der gruseligsten, unheimlichsten Unterkünfte, in denen wir bisher waren: Ein Privathaus in Brooklyn, New York. Oh ja, ein Privathaus. Gefunden auf einer Seite im Internet. Erst später kam uns dann der dunkle Gedanke, dass es nur deshalb als Privathaus angepreist wurde, weil die Genehmigung fehlt, es offiziell als Hostel laufen zu lassen. Denn, das Haus war nahe davor, einfach in sich zusammenzufallen. Buchstäblich. Der Garten war ein Urwald, das Tor zum Eingang noch vorhanden, doch zugewuchert, also musste man durch ein zweites Tor daneben. An der Tür wurden wir begrüßt mit dem Schild: "The department of buildings has determined that conditions in this premises are imminently perilous to life" was soviel bedeutet wie "Das Gebäudeamt erklärt die Bedingungen dieses Geländes für lebensgefährlich." Aha. Hübsch gewarnt gingen wir also rein in unser kleines, süßes, lebensgefährliches Nest. Hohe Decken und ein riesiges Vorzimmer lassen die Pracht erahnen, die das Haus einmal hatte. Hatte wohlgemerkt. Übrig geblieben sind abblätternde Tapeten, offene Drahtanschlüsse, nichtfunktionierende Toilettenspülungen und überall Bretter, die zusammenhalten sollen, was nicht mehr von selbst halten will. Ganze Treppengeländer zum Beispiel. Macht doch nicht, hier ist ein Brett, hämmer das einfach zwischen. Hält schon. Bestimmt. Unser Zimmer lag dann praktischerweise ganz oben. Nicht im Dach, höher. In einer Art Turm am Dach. Vorzustellen durch einen zweieinhalb mal zweieinhalb
Meter-Raum, der auf allen vier Seiten von Fenstern umgeben ist und nur durch einen schmalen Gang von unten bestiegen werden kann. Begleitet wurde unser viertägiger Aufenthalt durch so ungefähr einem Dutzend Katzen, die das Haus als ihr Eigentum nennen, wenn "mit Haaren markieren" Eigentum kennzeichnet. Aber hey, war günstig! Und wenn das Haus noch nicht eingestürzt ist, dann steht es noch heute und knartscht vor sich hin. Unser Platz 1.

2 Kommentare:

  1. Heeeeeey! :) Das Haus auf Platz 3 würde ich mir auch mal gern anschauen. Klingt so richtig "gruselig". Ich hoffe und denke trotzdem, dass es euch die gute Laune langfristig nicht nehmen wird. Aber was is'n nun mit eurem neuen Auto?!....
    Gruß Simon B.

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  2. Sehr cool geschrieben Schwesterchen, so gut das selbst ich mal hier reinschreibe :P ...ich hoffe von dem Haus auf Platz 3 gibt es mehr Bilder! Klingt als wärst du wie die Schöne in dem Schloß von Biest rumgelaufen! Und ich frag jetzt mal nicht ob ihr auto habt, bestimmt war das das thema nummer 1 die letzten wochen von allen seiten aus...falls ja paßt auf euch auf...falls nein noch mehr :) ...sehen und bei skype wieder, grüß Kamill...

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